Kinderhaus Lauterach

 


Architektur: Christoph Kalb | Claudia Greußing

Architekturwettbewerb Kinderhaus Raiffeisenstrasse 9 Lauterach                    

Städtebau 

Das in die Jahre gekommene „Feßler Haus“ erstrahlt in 
 neuem Glanz. Die Gaube sowie der südseitige Anbau sind 
 entfernt, das Hinterhaus ist in Verlängerung des Wohntraktes 
 neu aufgebaut. Es kann in seiner ursprünglichen Form wirken. 

Der neue Eingang ins Kinderhaus ist nordseitig, in Nähe der 
 Parkplätze für „Bringen und Holen“. 
 Ein Naturstein gepflasterter Platz führt von den Parkplätzen 
 über die Straße bis hin zum Kinderhaus. Der raue 
 wasserdurchlässige Belag veranlasst die Vorbeifahrenden 
 zur Vorsicht und markiert so die öffentlich, beruhigte Zone. 

Die Fahrradabstellplätze für Besucher:innen sind neben 
 dem Eingangsbereich und die Fahrräder der Mitarbeiter:innen 
 können westlich unter dem Flachdach abgestellt werden. 
 Durch die Situierung des Einganges im Norden ist der 
 öffentliche Bereich klar vom Spielbereich der Kinder getrennt. 

Architektur 

Über den gedeckten Eingangsbereich gelangt man ins 
 großzügige Treppenhaus, das die Höhe des Hauses spürbar 
 werden lässt. 
 Die mittig situierte Treppenanlage sowie der Aufzug 
 lassen nord- und südseitig Platz für Lufträume bzw. 
 gespannte Netze, auf denen die Kinder verweilen können. 

Über diese zentrale Erschließungsachse werden der 
 neue Trakt mit 3 oberirdischen Geschossen und einem 
 Untergeschoss sowie der sanierte Bestandstrakt mit 
 4 oberirdischen Geschossen miteinander verbunden. 

Im ehemaligen Wohntrakt werden neue Zwischendecken 
 eingezogen, die statisch klare Struktur bleibt erhalten.
 In der mittleren Achse sind die Garderoben und Sanitärbereiche 
 eingebaut und in der ostseitigen Achse bleibt ausreichend 
 Platz für Ausweichräume, den Ruheraum, ein Mitarbeiterraum 
 im Dachgeschoss und der Essraum der Kinder.

 

Das gesamte Erdgeschoss ist auf einer Ebene. Die Küche 
 ist in der Nähe des Einganges und direkt vom Treppenhaus 
 erreichbar, welches die Anlieferung des Essens erleichtert. 
 Der angrenzende Essbereich wird dreiseitig belichtet und hat 
 im Norden und Süden ein tieferes Sitzfenster, welches auch 
 vorbeifahrenden einen Einblick ins Leben des Hauses gewährt. 

Alle vier Gruppenräume sind aufgrund der erforderlichen 
 Raumhöhe im neuen Trakt untergebracht. 
 Um im oberirdischen Teil des Hauses Platz zu schaffen, ist der 
 Bewegungsraum mit den erforderlichen Nebenräumen 
 sowie der Sprachtherapieraum im Untergeschoss 
 platziert. Diese Räume werden über einen Innenhof belichtet, 
 von dem aus über eine Außentreppe der Spielgarten 
 erreicht werden kann. 
 Der Bewegungsraum kann dadurch auch extern genutzt werden.

Der überdachte Außenbereich mit Lagerraum für die 
 Gartenspielsachen und das Außen WC ist bewusst abseits 
 vom Kinderhaus situiert. 
 Das „Feßler Haus“ soll freigespielt bleiben. 

Die geschwungen angelegte Bobbycar- und Scooter-Strecke 
 verbindet das Haus und das Nebengebäude.  

 

Materialkonzept

Die Außenwände des ehemaligen Wohntraktes sind aus 
 einem Holzfachwerk, das mit Natursteinen ausgemauert ist. 
 Die Konstruktion ist in Teilen der östlichen Achse freigespielt, 
 saniert und sichtbar. Es ist Teil der Geschichte des Hauses. 
 Die neu eingezogenen Massivholzdecken bleiben, um Höhe 
 zu sparen, unten sichtbar. 
 Die Holzfußböden ziehen sich durch alle Aufenthaltsräume 
 des Kinderhauses und bilden so einen fließenden Übergang 
 zwischen Alt und Neu, von Raum zu Raum.

 

Der neue Bautrakt ist ein vorgefertigter Holzbau aus 
 natürlichen Baustoffen. Auch hier sind Massivholzdecken 
 eingebaut, jedoch sind diese mit Akustikdecken verkleidet. 

Durch die Beplankungen der Decken und Wänden mit 
 heimischen Hölzern ist der Holzbau auch im Inneren der 
 Gruppenräume spürbar. 

Außen hat der neue Trakt eine vertikale Holzschalung. 
 Vor den westlichen Fenstern sind schräggestellte Holzlamellen, 
 um den direkten Sichtbezug zum Nachbarn zu vermeiden. 

Der „alte“ Teil des Hauses ist mit ökologischen Materialien 
 thermisch saniert und neu verputzt. 

Die Natursteine zieren die Ecken des Hauses so auch beim 
 ursprünglichen „Feßler Haus“. Nicht nur die Fassade trennt den 
 alten und neuen Trakt auch die Art der Fenster und des 
 Sonnenschutzes. 

Im sanierten Teil sind Sprossenfenster mit Fensterläden eingebaut,
 im neuen Teil dagegen große Verglasungen mit außenliegendem 
 Sonnenschutz. 

Das Dach zieht sich einheitlich über den ganzen Baukörper. 
 Die nordseitigen Dachfenster sorgen im gleichmäßigen 
 Rhythmus für die Belichtung des Dachgeschoßes. 

 

Energetisch- und ökologisches Konzept

Das grundlegende Prinzip besteht darin, 
 Gebäudetechnik konsequent zu minimieren 
 und stattdessen auf intelligente, 
 nachhaltige Lösungen zu setzen. 

Durch architektonisch-konstruktive Maßnahmen 
 sowie kompakte Bauweise wird der Energiebedarf 
 des Gebäudes bereits reduziert. 

 

Die durchdachte Grundrisseinteilung minimiert 
 den Anteil der innenliegenden Räume aufs Minimum. 

Der Nachhaltigkeit verpflichtet erfolgt die 
 Hygienelüftung, wo möglich, durch natürliche 
 Be- und Entlüftung. 

Das regionale Biomasse-Heizwerk stellt die Wärme bereit. 

Die Verteilung erfolgt über ein wassergeführtes 
 System im Betonestrich, das auch zur Kühlung 
 herangezogen werden kann. 

Die PV-Belegung auf dem Dach liefert die 
 notwendige Energie. 

Der Einsatz von „Ökobeton“ und möglichst 
 heimischem Holz für Konstruktion und Innenausbau 
 als lokal, nachwachsender Baustoff ermöglichen 
 einen minimierten Einsatz der „Grauen Energie“, 
 eine lokale Wertschöpfung und verbessert die CO2-Bilanz.